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Wussten Sie schon, dass das soziale Vertrauen von Jugendlichen von der demographischen Zusammensetzung ihrer Schulklasse beeinflusst wird?

Juli 2025

Unter welchen Umständen lernen Jugendliche unbekannten Mitschülern oder Menschen im Allgemeinen zu vertrauen? In einer kürzlich erschienenen Studie gehen die DSS-Forscher:innen Andrea Wingen und Clemens Kroneberg (ECONtribute)) einem bislang vernachlässigten Einflussfaktor nach – dem Ausmaß, in dem sich Mädchen und Jungen einer Schulklasse auch hinsichtlich ihrer ethnischen Herkunft voneinander unterscheiden. Solch eine Überlappung von demographischen Merkmalen begünstigt die Entstehung getrennter Freundschaftsgruppen entlang dieser Merkmale. Dadurch erleben Jugendliche Teile ihrer Klasse als fremder und lernen weniger, auch sozial entfernteren Jugendlichen zu vertrauen. Um diese Argumentation zu prüfen, analysierten Wingen und Kroneberg Umfragedaten aus 26 Schulen in Nordrhein-Westfalen. Diese wurden im ERC-Projekt SOCIALBOND erhoben.

In ihren Analysen zeigt sich zunächst, dass Jugendliche ohne Migrationshintergrund tendenziell ein höheres Vertrauen in unbekannte Gleichaltrige im Schuljahrgang und in Menschen im Allgemeinen haben. Dieses fällt jedoch deutlich geringer aus, wenn sich Geschlecht und ethnische Herkunft in der Schulklasse überlappen – wenn also Jugendliche mit Migrationshintergrund tendenziell eher ein anderes Geschlecht aufweisen als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Für Jugendliche mit Migrationshintergrund lässt sich dieser Zusammenhang nicht mit der gleichen Deutlichkeit nachweisen. 

Die Ergebnisse legen nahe, dass Schulen durch eine bewusstere Verteilung der Schülerinnen und Schülern auf die Schulklassen nicht nur die Segregation von Freundschaften reduzieren, sondern auch die Entwicklung sozialen Vertrauens stärken können. Aufbauend auf den Ergebnissen des Kölner ERC-Projekts geht dieser Frage mittlerweile auch eine von Hanno Kruse (Universität Bonn und ECONtribute) geleitete Emmy-Noether-Gruppe nach.