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Wussten Sie schon, dass wir eher bereit sind, auf das Gute in einem Fremden zu setzen als auf dessen Können?

Februar 2026

Aus der psychologischen Forschung ist bekannt, dass Menschen dazu neigen, die Moralität anderer Menschen zu unterschätzen, sie gleichzeitig aber Hemmungen haben, dieses Misstrauen offen zu kommunizieren (weswegen wir zum Beispiel Freunden Geld leihen, obwohl wir nicht erwarten, dieses Geld jemals zurückzuerhalten). Behaviorales Vertrauen ist also ein Akt des Respekts und der Höflichkeit. Dabei scheint dieses Phänomen einer Norm zu folgen: Es scheint, als ob wir oft nur deshalb vertrauen, um die unangenehme Situation zu vermeiden, andere offen in Frage zu stellen.

Diese Befunde beziehen sich jedoch vor allem auf das Vertrauen in die MORAL einer anderen Person (zum Beispiel: „wird X ehrlich zu mir sein?“). Gilt dies auch für unser Vertrauen in die KOMPETENZ anderer Menschen (zum Beispiel: „hat mein Hausarzt genügend Fachwissen um eine Krankheit bei mir richtig zu diagnostizieren?“).

In ihrer Studie sind DSS-Forscher Detlef Fetchenhauer und Thomas Graczyk zusammen mit David Dunning, Daniel Ehlebracht und Thomas Schlösser der Frage nachgegangen, worauf sich zwischenmenschliches Vertrauen in Moral oder Kompetenz gründet. Dazu entwickelten die Forscher das „Kompetenzspiel“: Hierbei setzen Teilnehmende Geld darauf, ob ihr Partner einen Test (z.B. einen Intelligenztest) besteht.

Die Ergebnisse der insgesamt vier Studien zeigen spannende psychologische Muster auf: Unter sonst gleichen Erwartungen sind Menschen eher bereit Geld auf die Moral anderer zu setzen als auf ihre Kompetenz. Während Vertrauen in Moral eine Frage von Höflichkeit und Respekt ist, scheint Vertrauen in die Kompetenz unserer Mitmenschen eher der Logik von Investitionsentscheidungen zu folgen.

Dies bedeutet, dass wir für unsere Fähigkeiten keinen automatischen Vorschuss erhalten. Wer möchte, dass andere sich auf unser Können verlassen, darf nicht darauf hoffen, dass dieses ebenso höflich vorausgesetzt wird wie die eigene Ehrlichkeit. Kompetenz muss kommuniziert und unter Beweis gestellt werden, um eine Basis für Kooperation zu schaffen.