Soziale Integration ist wichtig für die Gesundheit. Diese Aussage stützt sich auf die Annahme, dass wir vor allem mit Personen Kontakt haben, die uns guttun und unterstützen. Menschen, die wir als anstrengend oder schwierig erleben, versuchen wir dagegen eher zu meiden. In Wirklichkeit sind soziale Beziehungen jedoch oft komplizierter: Manche enthalten sowohl positive als auch negative Seiten, andere werden sogar überwiegend als belastend erlebt.
DSS-Forscherin Lea Ellwardt und ihr Kollege Theo van Tilburg von der Vrije Universiteit Amsterdam untersuchten in einer Studie mit fast 900 Teilnehmenden der Longitudinal Aging Study Amsterdam (LASA), wie häufig ältere Menschen solche schwierigen Beziehungen erleben und wodurch sie entstehen. Das Ergebnis: Rund 15 Prozent der älteren Menschen berichteten von belastenden sozialen Beziehungen.
Besonders häufig betraf dies Beziehungen, die sich nicht einfach vermeiden lassen – etwa zu Geschwistern, Eltern oder Nachbar:innen. Schwierige Beziehungen entstanden außerdem öfter dann, wenn Menschen selbst viel emotionale Unterstützung gaben, aber nur wenig zurückerhielten. Auch noch relativ neue Beziehungen wurden häufiger als belastend empfunden.
Interessant war zudem: Wer bereits eine schwierige Beziehung hatte, berichtete oft auch weitere belastende Kontakte im sozialen Umfeld. Die Forschenden vermuten deshalb, dass ältere Menschen manchmal in sozialen Situationen feststecken, die sie nicht ohne Weiteres verändern können – zum Beispiel durch ihre Wohnsituationen oder Pflegeverantwortung. Dadurch bleiben Kontakte bestehen, auch wenn sie emotional belastend sind.
Die Studie macht deutlich, dass belastende Beziehungen durchaus prävalent und bei der Erforschung von sozialer Integration und Gesundheit berücksichtigt werden sollten.