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– und warum – Überqualifizierung in den USA seit den frühen 2000er Jahren angestiegen ist?

Mai 2026

Dass sich die Diskrepanz zwischen dem Bildungslevel von Arbeitskräften und dem Anforderungsniveau ihres ausgeübten Berufs („Mismatch“) über die Zeit verändern kann, ist in der Forschung hinreichend bekannt. In einer aktuellen Studie haben sich DSS-Forscherin Lina Tobler und ihre Kollegin Julia Leesch vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung der Frage gewidmet, wie diese Zeittrends am Arbeitsmarkt zustande kommen.

Zur Beantwortung dieser Frage untersuchten sie Mismatch-Veränderungen in den USA zwischen 2003 und 2011. Dabei fanden sie zunächst heraus, dass Überqualifizierung in diesem Zeitraum angestiegen ist und bestätigten damit bereits existierende Forschung zu diesem Thema. Außerdem gab es im beobachteten Zeitraum einen Rückgang an Unterqualifizierung am US-amerikanischen Arbeitsmarkt.

Doch wie lassen sich diese Veränderungen erklären? Hier unterscheiden die beiden Forscherinnen zwei theoretische Mechanismen. Einerseits könnte es zu Mismatch-Veränderungen über die Zeit kommen, wenn das Angebot von Arbeitskräften mit einem bestimmten Bildungslevel nicht mehr mit der arbeitsgeberseitigen Nachfrage nach Arbeitskräften mit eben diesem Bildungslevel übereinstimmt. So führt beispielweise die Bildungsexpansion dazu, dass immer mehr Menschen ein höheres Bildungslevel erreichen. Wenn nicht gleichzeitig die Nachfrage nach eben diesen höheren Bildungslevels steigt, kann sich eine Diskrepanz zwischen Bildung und Beruf ergeben. Die Forscherinnen nennen dies „strukturelle“ Faktoren („Opportunity Structure“).

Andererseits kann sich die Zuteilung von Personen zu Jobs – die sog. „Matching Patterns“ – verändern, beispielsweise weil die Jobsuche über das Internet immer neue Möglichkeiten bietet, sowohl passende Jobs als auch geeignete Kandidat:innen zu finden. Auch Veränderungen in der Mobilität, zum Beispiel durch bessere Infrastruktur, können einen Einfluss darauf haben, wie Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen zusammenfinden. Zusätzlich können veränderte Präferenzen auf Seiten der Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen eine Rolle spielen. 

Mithilfe einer Dekompositionsmethode konnten die Forscherinnen die beiden theoretischen Mechanismen empirisch gegenüberstellen und überprüfen. Die Ergebnisse legen nahe, dass der Anstieg an Überqualifikation sowie die rückläufige Unterqualifizierung im Beobachtungszeitraum hauptsächlich durch Diskrepanzen zwischen Angebot und Nachfrage (Opportunity Structure) und weniger durch Veränderungen in der Zuteilung (Matching Patterns) zustande kam. 

Diese Erkenntnisse bergen nicht nur Implikationen für Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik, sondern zeigen auch Potenziale für weitergehende Forschung auf. So könnte sich zukünftige Forschung mit alternativen Zeitspannen befassen oder sich den Arbeitsmärkten anderer Länder widmen. Denn die Ursachen für Mismatch-Veränderungen können unmittelbar mit länderspezifischen Rahmenbedingungen, wie dem Schul- und Ausbildungssystem oder dem Kündigungsschutz zusammenhängen, wie die Forscherinnen mit Verweis auf verwandte Forschungsliteratur beschreiben. Ob die Ergebnisse zum US-amerikanischen Arbeitsmarkt also beispielsweise auf Deutschland übertragbar sind, könnte in zukünftigen Forschungsprojekten untersucht werden.